Album Title
Casper
Artist Icon Lang lebe der Tod (2017)
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First Released

Calendar Icon 2017

Genre

Genre Icon Hip-Hop

Mood

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Style

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Theme

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Tempo

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Release Format

Release Format Icon Album

Record Label Release

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User Album Review
laut.de-Kritik: Ein Wandler zwischen den Welten.
Review von Jan Ehrhardt

Er sei noch nicht zufrieden mit den Songs, teilte Casper im Herbst 2016 mit, verschob den anvisierten Veröffentlichungstermin und ließ die Öffentlichkeit ein Jahr länger warten als ursprünglich geplant: eine ungewöhnliche, aber mutige Entscheidung. Deshalb überrascht es nicht, dass "Lang Lebe Der Tod" nun mit zehneinhalb bis ins kleinste Detail ausproduzierten Titeln aufwartet, von denen jeder einzelne Hit-Potenzial besitzt, von denen sich aber kein einziger mehr bedingungslos dem Genre Hip Hop unterwerfen möchte.

Gitarrenlastig ist sie (wieder) geworden, die neue Platte von Benjamin Griffey. Und deshalb: Nein, "Lang Lebe Der Tod" ist kein zweites "Hin Zur Sonne", allerdings auch kein zweites "XOXO" oder "Hinterland". Das muss, soll und darf es aber auch gar nicht sein. Mit diesen drei Alben habe er ein Kapitel beendet, sagte der Deutsch-Amerikaner unlängst in einem Interview mit Autor Jan Wehn.

Nun ist also der Weg frei für Neues, für das, was aus der Tiefe an die Oberfläche drängt. "Lang Lebe Der Tod" verleiht Caspers Innerstem Ausdruck, Texte und Melodie bilden seine Persönlichkeit ab. Es besticht mit Diversität, mit einer Melange verschiedenster Einflüsse, Wendungen und Widmungen.

Casper ist ein Wandler zwischen den Genres. Dieses Album markiert seine (zumindest momentane) Abkehr von einer Szene, in der er nie wirklich gepasst hat und von der wohl auch nie so richtig ein Teil sein wollte. Er ist ein Wandler zwischen Ehrlichkeit und Verschlossenheit, zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre. Casper ist ein Wandler zwischen den Welten.

Einigen werden lediglich elf Titel etwas dünn erscheinen, angesichts der langen Produktionszeit. Gerade dann, wenn sich unter diesen elf Titeln ein Song befindet, der schon seit mehr als einem Jahr veröffentlicht ist, und der Prolog zu "Sirenen" eine weitere Anspielstation blockiert. Einzig diese Tatsache schmälert den sonst durchweg positiven Eindruck tatsächlich ein wenig. Aber Highlights wie "Alles Ist Erleuchtet" oder das punkige "Wo Die Wilden Maden Graben" entschädigen für fast alles.

"Das ist alle gegen alle / jeder mit jedem." Blixa Bargeld, Sizarr, Dagobert, Drangsal, Portugal. The Man und Ahzumjot: Die Liste der Features liest sich gleichsam spannend wie facettenreich. Keiner der erwähnten Künstler übernimmt bei seinem Stück die tragende Rolle. Treffende Ergänzungen hat sich der 34 Jahre alte Griffey gemeinsam mit Produzent Markus Ganter ins Studio geholt, umsichtig ausgewählt und genau auf die Stimmung angepasst.

So geben sich die drei Erstgenannten jeweils im Refrain des Titelsongs die Ehre, Indie-Rocker Drangsal auf "Keine Angst" und Ahzumjot auf "Lass Sie Gehen", einer ehemaligen Portugal. The Man-Demo, die kurzerhand für "Lang Lebe Der Tod" zurechtgestutzt wurde.

Caspers neues Album spielt im Jetzt, ist unbequem und offenbarend zugleich. Es zielt schonungslos auf den Nerv unserer Zeit, was sich besonders deutlich im pulsierenden "Morgellon" ausdrückt, dem vielleicht einzigen Titel der LP, der kein unikales Soundbild besitzt. Caspers neues Album ist außerdem sehr persönlich geworden ("Deborah", "Meine Kündigung"), insbesondere zum Ende hin, auch wenn das anfangs wohl gar nicht seine Intention gewesen ist. Vielmehr drängte ihn die reine Notwendigkeit, so scheint es, zu solchen Texten und ließ "Lang Lebe Der Tod" so werden, wie es ist.

All das Gezeigte und Gehörte steckte schon immer in Casper. "Lang Lebe Der Tod" ist eine Momentaufnahme unserer Zeit, der Gesellschaft, der Politik, der Kultur. Aber auch eine Momentaufnahme seiner eigenen Persönlichkeit, die unverwechselbar hinter jedem Ton und zwischen jeder Zeile steckt. "Lang Lebe Der Tod" ist vielleicht nicht Caspers emotionalstes Album. Auch nicht das linientreuste. Aber es ist das ehrlichste. Genau darin liegt seine Daseinsberechtigung.

"Meine Damen und Herren, wir bitten zum Sitz. Noch ein Gong, dann dimmt sich das Licht. Für den finalen großen Trick werde ich einfach so verschwinden, wie es scheint, in ein winziges Nichts."

"Raunen im Raum. Applaus, überwältigend laut. Ihr werdet staunen, euch fragen: wohin? Wurd' schon in zwei Teile zersägt, den Wassertank überlebt, doch für den letzten Akt bitte ich um Stille."

"Bin und war kein Held, den ihr braucht. Will untergehen in Wellen von Applaus. Überwältigend laut, oh, ja. Und wenn es so weit ist, dann hält mich nichts auf, macht mir kein Denkmal und stellt mich nicht auf. Will einfach endlich hier raus, oh ja."


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